Geradeaussteuerung eines Torpedos


Das wichtigstes Teil des Geradlaufgerät GA, war der vollkardanisch aufgehängten Obryschen Kreisel.

(Obryschen Kreisel = Aufhängevorrichtung, bei der ein Körper allseitig drehbar gelagert ist; besteht aus drei Ringen, von denen jeder um jeweils eine der drei möglich senkrecht auf einander stehenden Achsen im Raum beweglich ist. Der sich im innersten Ring befindende Körper ... kann deshalb trotz Lageänderung der K.A. die durch seine Schwerpunktslage oder durch Kreiselwirkung vorgegebene Stellung im Raum beibehalten. - Benannt nach dem ehemaligen Leutnant der österreichischen-ungarischen Marine Ludwig Obry, er entwickelte 1895 ein Gyroskop (Vorläufer des Geradeauslaufapparates).)

Der GA VIII bestand aus einem Meß- und einem Arbeitsteil. Der Meßteil enthielt den Kreisel, auf dessen Umfang 28 schaufelförmige Taschen eingefräst waren (rot auf den Bild). Beim An- und Nachblasen wirkten sie wie die Schaufeln einer Curtis-Turbine und wandelten die kinetische Energie des Luftstromes in Rotationsenergie des Kreisels um. Das Anblasen erfolgte bei festgestellter Kreiselaufhängung mit ungeregelter Druckluft von 200 atü, die etwa 0.25-0.28 Sekunden aus einer Düse auf den Kreisel wirkte. Dabei erreichte er eine Drehzahl von ca. 14000 U/Min. Anschließend wurde die Kreiselaufhängung freigegeben. Die Kreiselachse hielt jetzt die GA-Richtung, die beim Abschuß mit der Torpedorichtung übereinstimmte. Das Nachblasen wurde mit geregelter Druckluft von 6 atü ausgeführt. Sie wurde durch Bohrungen in den Ringen zu zwei Düsen am inneren Ring geführt und blies von hier so auf den Kreiselumfang, damit keine ablenkenden Kräfte auf die Ringaufhängung wirkten. Während einer Nachblasezeit von etwa einer Minute wurde dadurch die Drehzahl des Kreisels auf ca. 20000 U/Min erhöht.



Bei einer Abweichung des Torpedos vom GA-Kurs bewegte ein auf dem äußeren Ring sitzender Anker einen Lenker, der mit dem Strahlrohr verbunden war. Dieses blies einen Luftstrahl gegen die beiden Öffnungen des Steuerschiebers. Bei 0°-Stellung des Kreisels traf der Luftstrahl genau auf die Mitte zwischen den beiden Öffnungen, so daß die Kraftwirkung der von hier auf die beiden Seiten des Steuerkolbens geleiteten Druckluft gleich groß war. Bei einer Kursabweichung war der Luftstrom durch eine Öffnung stärker, wodurch der Steuerkolben nach dieser Seite abgelenkt wurde. Der Steuerkolben war über einen Steuerhebel mit dem Steuerschieber verbunden. Dadurch folgte der Steuerschieber mit seinen Öffnungen der Bewegung des Strahlrohres. Die Bewegung des Steuerkolbens wurde durch ein Steuergestänge auf die GA-Ruder übertragen, deren Ausschlag gegen die Kursablenkung des Torpedos wirkte.





Für den Winkelschuß mit einer maximalen Abweichung von etwas über 9O° nach jeder Seite konnte der Anker bei arretiertem Kreisel über eine Schnecke mit Schneckenrad nach beiden Richtungen verdreht werden. Für eine Verstellung des Ankers um 2° mußte die Schnecke eine volle Umdrehung ausführen. Vor der Freigabe des GA wurde die Verbindung der Einstellspindel zum Anker gelöst. Beim Winkelschuß blieb das GA-Ruder solange in Hartruderstellung, bis der Torpedo die gewünschte Richtung und das Strahlrohr die Mittellage hatte. Dabei lief der Torpedo auf einem Kreisbogen von etwa 95m Radius.
Um dem nach außen Krängen des Torpedos beim Kurvenlauf entgegenzuwirken, besaß bei den neueren deutschen Torpedos das untere GA-Ruder eine erheblich geringere Ruderfläche als das obere.



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